• Ulla Grans

Weihnachten in Patchworkfamilien - oder wann bitte ist der 27.12.?




Am Heiligen Abend möchte jeder die Menschen um sich haben, die einem „heilig“ sind. Der 24.12. ist in unseren Breiten der wichtigste Feiertag. Da wird der Tannenbaum geschmückt, die Geschenke werden heimlich verpackt, die ersten Gäste trudeln ein, man geht gemeinsam zum Krippenspiel und es entwickelt sich langsam eine festliche Stimmung.


Ganz anders ist das in Patchworkfamilien. Hier fängt der Weihnachtsstress schon an, lange bevor der erste Lebkuchen im Laden steht. Einige Wochen vor Weihnachten beginnen bereits Umfragen in Familien-Whats-App-Gruppen, auf dem Familien-Trelloboard oder in der Patchwork-App. Die allseits gefürchtete Frage: “ Wo ist Max denn an Weihnachten dieses Jahr?“ oder „Ich habe mit Luisa gesprochen. Sie möchte Heiligabend gerne bei uns sein“, wird in den virtuellen Raum geworfen und alle Beteiligten halten den Atem an.

Ich lese in den letzten Tagen in den sozialen Medien immer wieder Beiträge von Patchworkfrauen, die über Unstimmigkeiten, Streit, Überforderung bezüglich der Weihnachtsplanung berichten.


Meist geht es darum, wer eigentlich mit wem wo feiert. Im Klartext heißt das:


Wer gehört dazu und wer nicht!


o Da will der neue Partner dieses Jahr noch einmal mit seiner Tochter und der Exfrau gemeinsam feiern.

o Da möchten die Großeltern nicht, dass die „neuen“ Enkel mit unterm Tannenbaum sitzen…

o Da möchte die Partnerin mit ihren Kindern zu ihren Eltern fahren…

o Da hat sie keine Lust für alle Patchworks den ganzen Tag in der Küche zu stehen…

o Da ist ihr Ritual, Weihnachten in ein Restaurant zu gehen…das will er aber nicht…

o Da werden hunderte von Kilometern von Nord nach Süd gefahren, weil die Beteiligten über die ganze Landkarte verstreut sind…


Die Liste ist unendlich…so unendlich, wie es Möglichkeiten gibt, die Weihnachtstage zu verbringen!


Warum ist das eigentlich so? Warum ist Weihnachten so ein heißes Eisen?


Die Weihnachtstage sind in unseren Breiten ein Fest mit hohen Sensibilitäten, weil Weihnachten das Fest der Gefühle, der tiefen Emotionen, der Familienrituale, der eigenen Kindheitserinnerungen, der Nostalgie ist. Wir erinnern uns an Gerüche aus unserer Kindheit von Mandelduft und Tannengrün. Oft wird dieses Fest in der Erinnerung auch verklärt und wir blenden die Streitereien, die es an diesen Tagen gab, einfach aus.

Für Weihnachten in Patchworkfamilien gibt es meist keine Vorbilder, keine Blaupause, an die man sich halten kann.


Einer Patchworkfamilie ging in den allermeisten Fällen eine Trennung voraus. Aus dieser resultieren häufig noch tiefe Verletzungen, Scham- oder Rachegefühle. Hat dann einer der Elternteile einen neuen Partner/Partnerin vielleicht mit ein oder mehreren Kindern, ist das Chaos perfekt.

Es geht meist um Gefühle von Zurücksetzung, von Ausgrenzung, von Neid, Eifersucht, Konkurrenz.

Patchwork heißt Flickenwerk und damit wird schon das Durcheinander impliziert. Zudem kommen noch Erwartungen von den Großeltern, Ex-Schwiegereltern, Tanten, Onkels dazu. In einer Patchworkfamilie sind viele Familienmitglieder mit all ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen von diesem Fest involviert.

Das ist in Kernfamilien schon schwierig und stellt für eine zusammengesetzte Familie eine echte Herausforderung dar. Es ist schier unmöglich, alle unter einen Baum zu kriegen! Und genau das ist die größte Herausforderung! Man möchte allen Erwartungen entsprechen und es jedem recht machen, damit keiner enttäuscht ist.


Und wo bleibt man selbst dabei? Genau – meist auf der Strecke!


Vor allem die Patchwork-Frauen ringen um ein harmonisches Fest, stellen sich und ihre Bedürfnisse zurück, machen die Faust in der Tasche, wenn der Partner auch noch nach 5 Jahren den Heiligabend mit der Ex-Frau und dem gemeinsamen Kind verbringt. Sie haben Verständnis, fahren hunderte von Kilometern durch die ganze Republik, damit sich auch ja keiner der großen Familie zurückgesetzt fühlt und fallen am 27.12. komatös auf die Couch und können nicht mehr.


Grund dafür ist, dass es meist die Frau ist, der viele Verantwortlichkeiten in diesem komplexen System obliegen. Dieses hat historische und wirtschaftliche Gründe und mit der Stellung der Frau in der Gesellschaft zu tun. Frauen fühlen sich häufig für die Probleme in der Familie verantwortlich und haben den Anspruch, für Harmonie und gutes Gelingen in der Familie zuständig zu sein. Oft fühlen sie sich jedoch überfordert, da gerade die Problemlagen in Patchworkfamilien vielschichtig und undurchsichtig erscheinen. Hier treffen mindestens zwei Familiensysteme mit eigenen Regeln, Vorstellungen und Werten aufeinander. Das Zusammenwachsen von Patchworkfamilien braucht jedoch Zeit, Geduld, Toleranz und das Einbringen aller Familienmitglieder!


Ich lebe jetzt in der 3. Generation das Patchworkleben. Ich habe es als Enkelin, als Tochter und als Mutter und Partnerin erlebt.


Als Kind fand ich es besonders schlimm, dass mir die Oma meiner Stiefschwestern immer weniger geschenkt hat, als ihren blutsverwandten Enkeln. Ich fühlte mich dann zurückgesetzt, nicht dazugehörig und nicht erwünscht. Meine Mutter hat dann versucht, das mit einem Extrageschenk auszugleichen, aber das Gefühl blieb.


Kinder werden leider häufig als Informationsträger zwischen „den Fronten“ genutzt. „Frag doch mal Papa, ob du an Heiligabend bei mir sein kannst“ oder „es reicht dir doch auch, wenn du am 2. Feiertag zu Papa gehst?“ Damit werden die Kinder in schlimme Loyalitätskonflikte gestürzt. Sie möchten in der Regel am liebsten bei Mama und Papa sein und sie spüren, dass das nicht mehr geht. Das tut weh. Dieses Gefühl gilt es ernst zu nehmen. Von daher ist es das Allerwichtigste, dass sich die Eltern über die Gestaltung des Weihnachtsfestes austauschen und auseinandersetzen. Das können die Kinder nicht entscheiden. Sie sind damit vollkommen überfordert und geraten in Rollen, die ihnen nicht passen.




STOP! EINATMEN! AUSATMEN!


Wer sich auf das Abenteuer „Patchworkfamilie“ einlässt, glaubt an die Kraft der Liebe!


Diese birgt ein großes Potential und hat eine enorme Kraft.

Betrachten wir doch das Weihnachtsfest in Patchworkfamilien als Chance, dieses Fest neu zu gestalten, neue Rituale zu kreieren, vielleicht mal unkonventionell zu feiern!

Patchworkfamilien haben die Chance, ihre Veränderungen zu leben! Dazu gehören Offenheit, Toleranz und wirkliches Zuhören!

Und es gehört vor allem Zeit dazu! Es braucht Zeit und Geduld für das Zusammenwachsen einer Patchworkfamilie. Alte Wunden und Verletzungen müssen verheilen, Vertrauen in die Liebe muss wieder neu aufgebaut werden, die Kinder brauchen Raum, um ihre Unsicherheiten zu verarbeiten.


All diese Faktoren treffen an den Weihnachtstagen gebündelt aufeinander und es fühlt sich eher nach einem Marathon als nach Besinnlichkeit an.




6 Tipps für ein entspannteres Weihnachtsfest:


o Nimm Rücksicht auf dich und deine Bedürfnisse!

o Setzt euch zusammen und hört dem anderen aufmerksam zu!

o Nehmt die Wünsche eines jeden einzelnen ernst!

o Konzentriert euch auf die Wünsche eures kleinen Patchworkkosmos!

o Denkt auch mal verrückt und unkonventionell!

o Nehmt von dem Anspruch Abstand, dass ihr alles entspannt unter einen Hut kriegen könntet!



Und denkt daran: Patchworkfamilien glauben an die Kraft der Liebe! Und die Liebe hat eine enorme Kraft, wenn sie Zeit und Raum bekommt, um sich ausbreiten zu können und nicht unter all dem Funktionieren ganz vergessen wird.

Ich wünsche euch allen ein entspanntes, liebevolle Weihnachtsfest mit schönen und intensiven Momenten!


Herzlich, Eure Ulla Grans








DEIN ÄNDERN LEBEN!


Wenn du Fragen hast oder lieber 1:1 mit mir sprechen möchtest. Nimm gerne Kontakt zu mir auf! Ich freue mich auf Dich!


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